Von wegen Höhenangst: Billy Talent rocken Düsseldorf


Billy Talent / Mitsubishi Electric Halle Düsseldorf / Afraid of Heights Tour 2016
(Bild: Steffie Wunderl Wunderl Fotografie)

Seit über 20 Jahren sind Billy Talent ein Garant für einen soliden Punk Rock-Konzertabend. Mit ihrem jüngsten Album „Afraid Of Heights“(VÖ 29.07.2016) legen sie vor allem live nochmal eine ordentliche Schippe drauf. Nachdem sie sich bei dem Unwetter geplagten Rock am Ring zum heimlichen Headliner der Herzen mausern konnten, ist die Vorfreude auf die Tour groß. Kein Wunder, dass die Show in Düsseldorf schon weit im Vorfeld restlos ausverkauft ist. Gut 7.500 Fans strömen an diesen kalten und vor allem nebeligen Dezember-Samstag in die Mitsubishi Electric Halle.

Den Anfang vor einer bereits erstaunlich gut gefüllten Halle machen The Dirty Nil. Einzige Gemeinsamkeit mit Billy Talent? Luke Bentham (Gitarre, Gesang), David Nardi (Bass, Gesang) und Kyle Fisher (Schlagzeug) sind ebenfalls aus Kanada. Musikalisch steht Rock and Roll auf dem Programm, der eher gemischt von den Zuschauern aufgenommen wird. Vor allem Bentham fegt wie ein Flummi über die Bühne und überrascht die Besucher mit Kaugummiblasen und erstaunlicher Beweglichkeit.

Bildergalerie: So war THE DIRTY NIL live

Auch Monster Truck sind musikalisch nicht ganz das, was der Fan grundsätzlich vor Billy Talent erwartet. Die Musiker aus Hamilton, Ontario, Kanada haben sich dem Hard Rock verschrieben. Doch in Kanada scheint der gegenseitige Support noch groß geschrieben zu werden, denn erst noch vor ein paar Monaten waren sie mit den ebenfalls kanadischen Kollegen Nickelback unterwegs. Die Fans lassen sich von Jon Harvey, Jeremy Widerman, Brandon Bliss und Steve Kiely überzeugen und schnell kreisen die ersten Köpfe um das Haupthaar genauso zu schütteln wie die Musiker auf der Bühne.

Bildergalerie: So war MONSTER TRUCK live

Als dann endlich der Vorhang für Billy Talent fällt, ist unter den Zuschauern kein Halten mehr. Schnell verwandelt sich der Innenraum der Mitsubishi Electric Halle in eine große Party, in der getanzt, gesprungen und auch ordentlich gemosht wird. Die ersten Crowdsurfer lassen nicht lang auf sich warten und schweben je nach Song sogar sehr ausgiebig über die Köpfe der Zuschauer. Dass diese dann jedoch sehr ruppig von der örtlichen Security aus dem Graben eskortiert werden, ist mehr als unnötig.

Bildergalerie: So war BILLY TALENT live

Billy Talent selbst fackeln nicht lang und legen vom ersten Akkord an ordentlich los. Allen voran fegt Frontmann Benjamin Kowalewicz wie ein Wirbelwind über die Bühne. Seine Stimme ist so unverkennbar wie die Posen an der Bühnenkante. Zwischenansagen beschränkt er auf das Wesentlichste und vor allem die wichtigen Dinge: Er erinnert an Aaron Solowoniuks MS-Stiftung Turning Anger Into Hope, der auch ein Teil der Eintrittspreise gespendet wird. Er findet die richtigen Worte zum Resultat der US-Wahlen und gegen die Parolen von Trump, was die Zuschauer mit lautem Jubel quittieren. Viel mehr braucht es eigentlich nicht, denn ihre Musik spricht für sich selbst. So jagt ein Highlight das Nächste und neue Songs werden genauso gefeiert wie die großen Hits. Sicherlich ist der Fanchor bei Titeln wie „Fallen Leaves“, „Surrender“, „Surprise Surprise“ und „Red Flag“ am Lautesten, was die Stimmung immer wieder zu absoluten Spitzen treibt. In den neuen Songs steckt allerdings nicht weniger Potential schon bald mit in diesem Favoriten-Kanon zu stehen. Ian D’Sa glänzt dabei wie immer an der Gitarre und feuert ein Riff nach dem Anderen durch die Songs. Jonathan Gallant gibt am Bass alles, Support-Drummer Jordan Hastings (Alexisonfire) sorgt für die nötige Geschwindigkeit. Ein aufwändiges Bühnenbild mit einer zweiten Ebene und damit mehr Bewegungsfreiheit und eine stimmige Lichtshow sind da eigentlich ‚nur‘ noch das i-Tüpfelchen eines großartigen Abends.

Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr diese Musiker noch einmal über sich selbst hinaus gewachsen sind. Billy Talent sind live schlicht und ergreifend ein Feuerwerk des guten Punk Rocks. Ihre Energie auf der Bühne ist großartig, das Zusammenspiel mit den Fans perfekt. Das einzige Manko an diesem Abend? Dass er irgendwann ein Ende finden muss. Lang müssen die Fans allerdings glücklicherweise nicht traurig sein, denn schon im Sommer 2017 sind Billy Talent für Festivalauftritte – zum Beispiel beim Deichbrand – zurück.

Billy Talent »Afraid of Heights«-Tour 2016

06.12.2016 = Hamburg, Sporthalle
07.12.2016 = Leipzig, Haus Auersee
09.12.2016 = Berlin, Max-Schmeling-Halle
10.12.2016 = Lingen, Emsland Arena

Billy Talent-Tickets gibt es hier: Eventim

Weitere Informationen unter:
www.billytalent.de oder auf Facebook und Twitter

Präsentiert von: FKP Scorpio

Danke an:
Steffie Wunderl (Fotos und Text) | Steffie Wunderl Fotografie