Amphi Festival 2016 – Tag 2: Das ging ab am Sonntag


Amphi Festival 2016
(Bild: Sanni Hoffmann / alive:promotion)

Sonntag 11 Uhr. Die Sonne lacht am tiefblauen Himmel und strahlt den teilweise noch sehr müde dreinblickenden Gesichtern der Amphi Festival-Besuchern in die Augen. Ein leichter Wind weht vom Wasser her und alles spricht für einen perfekten zweiten Festivaltag mit bestem Wetter.

Hier geht es zum Bericht „Amphi Festival 2016 – Tag 1: Das ging ab am Samstag

Erster Akt des Tages auf der Theater-Stage: Zum Warmwerden steht für uns Xotox auf dem Plan. Auf die Fresse-Elektro ist angesagt… Aber Moment, irgend etwas stimmt doch hier nicht. Die Show läuft gut, aber irgendwas fühlt sich einfach „falsch“ an. Spätestens nach dem zweiten Track ist dann jedem klar. Es fehlt leider jeglicher Bass – unklar ist, ob das Absicht ist, aber so sind einige Lieder kaum wieder zu erkennen. Sehr schade, denn ansonsten ist Frontmann Andreas Davids voll in seinem Element. So verlassen leider einige Elektro-Fans recht bald enttäuscht den Saal.

Bildergalerie: So war XOTOX live

Derweil ist Tüsn auf der Main Stage bereits voll im Gange. Deutscher Indie-Rock gepaart mit Electro-Pop aus Berlin. Für jeden, der sich hier beim Amphi Festival mit Indie-Rock anfreunden kann und mal etwas anderes hören will, ist es die Zeit wert mal rein zuhören.

Bildergalerie: So war MANTUS live

Nach kurzer Pause am Mittag geht es dann weiter mit Unzucht. Die Band aus Hannover rockt in den Nachmittag mit düsteren Melodien. Wie bei einem losgelassen „Kettenhund“ ist vor der Main-Stage auf einmal die Hölle los. Sänger Daniel Schulz heizt der Menge ordentlich ein, während Gitarrist De Clerq, Bassist Blaschke und Schlagzeuger Fuhrmann an ihren Instrumenten alles geben.

Bildergalerie: So war UNZUCHT live

Als nächstes erklimmt Sven Friedrich die Main-Stage. Zwar hat man ihn gestern schon zusammen mit Daniel Graves bei Aesthetic Perfection gesehen, aber jetzt kann man ihn endlich mit seinem eigenem Projekt Solar Fake erleben. Er hat alles „Under Control“ und liefert Electro Pop vom Feinsten. Leider hört man hier in den ersten Reihen nur dass, was bei Xotox noch fehlte: Bass – und zwar nur Bass – in den Genuss der schönen Melodien und der außergewöhnlichen Stimme von Frontmann Friedrich kommen nur die Festivalbesucher weiter hinten.

Bildergalerie: So war SOLAR FAKE live

Ein schneller Wechsel zur Theater-Stage folgt. Ost+Front fackeln nicht lange und lassen harte Metal-Klänge durchs Theater schmettern. Neue-Deutsche-Härte mitten ins Gesicht ist angesagt. Die Band aus Berlin wird mit viel Liebe aufgenommen. Liebe heißt in diesem Fall lauter Jubel und kräftiges Headbangen. Ost+Front gibt unter anderem „Fiesta de sexo“ vom 2016 erschienen Album „Ultra“ zum Besten.

Bildergalerie: So war COPPELIUS live

Zurück zur Main-Stage, denn dort erwartet uns bereits Suicide Commando. Hellectro hämmert einem entgegen. Super Sound. Volle Breitseite. So wie man es sich nur wünschen kann, wenn man Suicide Commando erwartet. In der späten Nachmittagssonne sammelt sich, wer tanzen will. Wir verkrümeln uns lieber in einen der schattigeren Bereiche, sonst ist das volle Programm tanzend nur schwer zu überstehen.

Bildergalerie: So war SUICIDE COMMANDO live

Für die tanzwütige Meute bleibt heute nur eine kurze Verschnaufpause. Im Anschluss zu Suicide Commando fordern schon direkt wieder Covenant zum Tanz auf. Die Schweden liefern Future Pop, wie nur wenige andere es können. Leider auch hier wieder: der Bass wurde ein bisschen zu heftig aufgedreht, so dass man auch wieder in den vorderen Bereichen nur ein Dröhnen vernahm. Der Klassiker „Call the ships to Port“ fehlt selbstverständlich wie viele andere Hits, nicht im Set. Jeder, der noch etwas Restenergie hat, ist auf den Füßen und lässt sich von der sanften Stimme von Eskil Simonsson in die Abendsonne tragen.

Bildergalerie: So war COVENANT live

Falls gemütlich jemand zu weit abgedriftet ist, schleifen ihn Project Pitchfork wieder über den Boden ratternd zurück. So hatte Peter Spilles, nicht nur einen sondern gleich drei Drummer mitgebracht. Mit Nachdruck wird also voll aufgedreht. Das macht natürlich alleine nur halb so viel Spaß, darum greift Peter Spilles sich kurzerhand Sven Friedrich von Solar Fake und legt mit ihm ein Duett hin. Die Frage nach der Nagellack-Marke, die beide tragen, bleibt allerdings ungeklärt. Animation ist kaum notwendig, die Leute genießen die letzten Züge des Amphi Festivals 2016 und tanzen und singen, was die Restenergie noch zulässt.

Bildergalerie: So war PROJECT PITCHFORK live

Als Headliner des Abends und letzte Band des diesjährigen Festivals folgen Editors auf der Main-Stage. Entspannter Indie-Rock aus Groß Britannien kühlt das aufgeheizte Amphi Festival etwas herunter. Normalerweise eher auf Festivals wie dem Hurricane oder Southside angesiedelt, spielen die Briten einen bunten Mix aus über einem Jahrzehnt Bandgeschichte und holen die Festival-Besucher sanft zurück in die normale Welt. Für die, die immer noch heiß auf mehr sind, wartet noch die Aftershow-Party in der Theater-Stage, auf der zeitgleich Joachim Witt das Amphi Festival 2016 ausklingen lässt.

Bildergalerie: So war EDITORS live

So ging das 12. Amphi Festival mit ca. 12.000 Besuchern zu Ende und nach anfänglicher erhöhter Luftfeuchtigkeit belieferte der Wettergott das Amphi Festival doch noch mit Sonne. Die vielfältige Getränkeversorgung und ein Trinkbrunnen mit kostenlosem Frischwasser am Haupteingang wurden sehr positiv wahrgenommen. Beim Nahrungsangebot wurde hingegen die geringe Auswahl im Bereich der vegetarischen und veganen Angebote kritisiert. Schlussendlich führte aber häufig die Notwendigkeit der Sicherheitskontrollen bei jedem Stage-Wechsel zu Unmut. Hier wünscht man sich vielleicht ein etwas großzügiger geschnittenes Festivalgelände um stressfreier zwischen den Bühnen zu wechseln. Die Headliner und die meisten anderen Bands hatten sich leider fast zu 100% überschnitten, das mochte zwar zur Entzerrung sinnvoll sein, aber als Gast hätte man doch gern die Chance gehabt, zumindest alle Headliner zu genießen… Müde und geschafft ging es für uns jedenfalls wieder heimwärts und die Vorfreude auf ein Wiedersehen in 2017 steigt direkt wieder.

Danke an:
Cynthia Theisinger / Lars Tobias Lorbeer für Bilder und Text

Übrigens: Am 22. & 23.07.2017 geht das Amphi Festival in seine 13. Runde